Rezension zur Theateraufführung „Der Besuch der alten Dame“
Das Geld. Es regiert den Staat, die Gesellschaft, das Leben, uns selbst. Egal wo und egal wie, es wird gearbeitet, um an Geld zu gelangen. Dabei verwendet die Menschheit nicht nur faire Mittel. Viele betrügen und spielen mit denen, die ihnen vertrauen. Jedoch wagt Friedrich Dürrenmatt in seiner tragischen Komödie „Der Besuch der alten Dame“ noch einen weiteren Schritt: Würden Menschen wirklich so weit gehen und für Geld töten?
Am 19.1.2012 führte die Theater-AG unseres Gymnasiums unter der Leitung von Frau Tholen das von Geldgier und Korruption handelnde Stück auf.
In Güllen, einer verarmten Kleinstadt, leben die Bürger zwar nicht in Reichtum, aber in Vertrauen zueinander. Die Situation ändert sich jedoch, als die Milliardärin Claire Zachanassian (Alena Schmitz) anreist. Diese war die Jugendliebe von Alfred Ill (Marcel De Capitani). Aufgrund von Gerichtsbetrug, eingefädelt durch Ill, verließ sie, schwanger von ihrem Geliebten, die Stadt und kehrt nun voller Rachsucht an Ill zurück. So macht sie den Stadtbewohnern ein ungeheures Angebot: Sie bietet eine Milliarde für den Tod von Alfred Ill. Außer sich vor Entsetzen lehnt der Bürgermeister (Alexander Graf) im Namen der Gemeinde ab und versichert Ill seine Treue. Doch Claire scheint siegessicher, sie weiß wie arm die Stadt ist und wie sehr die Bewohner ihr Geld gebrauchen können. Dennoch, Ill ist zunächst hinsichtlich der Treue der Stadtbewohner erleichtert. Dieses blinde Vertrauen, so bemerkt der Theaterbesucher, war allerdings ein Fehler. Wie bei einem zu lösenden Kriminalfall wird Szene für Szene das wahre Gesicht der Stadt enthüllt. Beginnend bei teuren Einkäufen bei Ill und dessen Frau (Margarita Bock), bis hin zu neuen Schuhen für jeden, die Diskrepanz zwischen Worten und Taten wird nur zu deutlich. Auch Ill verzweifelt völlig, sucht Rat beim Polizisten (Niklas Olbertz), der, wie immer biertrinkend, die Sache „nüchtern“ betrachten möchte, was ihn zu keiner großen Hilfe macht. Ebenso versucht es Ill beim Bürgermeister, welcher ihm ein Gewehr zu seiner eigenen Sicherheit überreicht, und beim Pfarrer (Christian Thelen), der ihm sogar rät die Stadt schnellst möglich zu verlassen. All diese Dinge spiegeln die Gesichter jeder einzelnen Rolle wider: Die Menschlichkeit auf der einen Seite, die dazu verpflichtet einander zu helfen, gegen die Geldgier auf der anderen Seite.
Zum Ende des Stücks beraten die Bewohner Güllens über das Angebot Claires. Sie kommen zu dem Schluss, dass Ill es war, der zuerst Unrecht an Claire übte, indem er Zeugen bestach, damit nicht ans Licht kommt, dass er der Vater von Claires Kindern ist. Somit sei es nun Frau Zachanassians Recht, das an ihr verübte Unrecht zu rächen. Niemand erwähnt an dieser Stelle, was der Tod Ills für sie bedeutet, nämlich eine Milliarde. In einem spannenden „Showdown“ kommt es zum Mord an Alfred Ill. Besonders an dieser Stelle ist der großartige Einsatz der Technik unserer Schule zu loben, indem sie zum Zeitpunkt des Mordes die Besucher „im Dunklen lässt“. Ebenso effektvoll waren die maskenbildnerischen Fähigkeiten von Chiara Morsch, die die Akteure passend zur Umgebungsstimmung in graue, gealterte Menschen verwandelte. Aber, das Stück wäre keine Tragikkomödie, wenn es nicht einige lustige Szenen zu bieten hätte. So bringt der ständig betrunkene Polizist das Publikum einige Male durch seine wirren Ausrufe zum Lachen, wie auch die zwei Eunuchen (Julia Former und Milena Abels), die immer wieder unvermittelt auf die Bühne treten und scheinbar alles wiederholen, was zuvor gesagt wurde. Komödialer Höhepunkt war die Aufführung des Tanzes zum Lied „Y-M-C-A“ vom Pfarrer, Polizisten und Bürgermeister zum Anlass der euphorischen Stimmung und der Freunde auf die Milliarde. Zunächst „szenenüberbrückend“ wirkend überzeugten die Drei sehr schnell durch ihren großen Mut einen solch lustigen Tanz vor Publikum zu zeigen.
Ein Fazit: Nach dieser Aufführung muss man jegliche Vorurteile gegen ein Schultheater verwerfen, denn diese Theater-AG hat bewiesen, dass man mit tollen Schauspielern und guter Zusammenarbeit viel erreichen kann. Alina Funk, Q1
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